Donnerstag, 23. Februar 2017

Was ein Baum mit der menschlichen Seele zu tun hat ...

Und wenn nun das Geäst und der Stamm - also der nackte Baum - die Seele des Baumes darstellt, oder gar die Seele ansich? Dann sind die Blätter die Persönlichkeit, der Schmuck, das was sich ändert - jedes Jahr etwas mehr oder weniger ist - je nach Bedingung - Wetter, Nährstoffen, Klima beim Baum und je nach Lebenssituation, Umfeld, Erfahrungen und Stationen beim Menschen. Also ist die Persönlichkeit nur das Außen. Die Seele ist und bleibt bestehen. Sie ist jedesmal ein Wunderwerk. Gibt es einen Baum, dessen nackte Gestalt nicht Erstauen in einem weckt?
Und genauso gleich verhält es sich mit der Seele. Sie ist wunderschön. Unser Innerstes ist das Beeindruckenste was wir haben. Es bringt andere zum Lächeln, vermittelt Respekt und Anerkennung.
Ich stehe oft vor Bäumen zu jeder Jahreszeit. Sie schenken mir ein tiefes Gefühl der Ruhe. Die Stärke, die ihr Stamm darstellt, die Äste und Zweige, die zum Himmel emporragen, die versuchen dem Himmel täglich etwas näher zukommen.  Nichts zieht den Baum nach oben - wie bei der Motivation aus menschlicher Sicht - sondern aus den Wurzeln - die Verbindung zur Erde - ziehen sie ihre Kraft. Es ist ihre natürliche Bestimmung zu wachsen. Genau wie der Mensch durch die Verbindung mit der Erde, der Basis, dem Sich-klar-werden, dass er Teil von allem ist, von sich aus "erwacht" und die Energie spürt, die ihn antreibt, sich selbst zu verwirklichen.
https://www.taste-of-power.de/wp-content/uploads/2016/10/yggdrasil-symbol.jpg
Yggrasil
Ich liebe diese Bild von Yggdrasil, dem Baum des Lebens, der den Kreislauf darstellt, die Verbundenheit. Wir sind von nichts und nichts ist von uns getrennt. Alles gehört zusammen. Jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch, jeder Stein oder auch jede Erinnerung haben eine Verbindung zueinander. Und ich spreche nicht von der "Jeder-kennt-jeden-über-6-Ecken"-Theorie. Ich spreche von echten Verbindungen. Schau in die Augen eines Tieres und du wirst zeitnah etwas von dir in ihm sehen.
Konzentrier sich auf einen Baum oder eine Pflanze und dir wird ein Gefühl widerfahren, welches Ruhe, Entspannung oder auch Zufriedenheit sein kann und doch aus dem selben Teil der Seele kommt. Du spürst Nähe und Verbundenheit. Eine der essentiellsten Themen unseres Daseins.

Samstag, 18. Februar 2017

Ein paar Schmuckstücke aus den Onlineshops

Seit einiger Zeit fertige ich bereits Traumfänger, Schmuck und kleine Accessoires und verkaufe sie über Dawanda und neuerdings auch über Etsy. 
Bald möchte ich mit all meinen kleinen Schätzchen mal auf einen Markt gehen. Der Mauerpark in Berlin, hat leider schon zuviele meiner Art dort. Mal schauen. Ich habe einige Festivals angeschrieben, ob ich dort verkaufen darf, dort warte ich noch auf Antwort.
Vielleicht wird es der Boxhagener Markt oder auf dem RAW-Gelände.

Hier nun ein paar Bilder meiner "Schmuckstücke":










Sonntag, 13. November 2016

Was ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe



 Am vergangenen Wochenende habe ich mit meinem Partner an einem zwei-tägigen Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen. Wir hatten ja bisher nur die lustigen und leicht peinlichen Bilder aus den Serien und Filmen im Kopf. Alle sitzen im Kreis, die Männer hinter den Frauen, während diese eifrig hecheln und stöhnen. Kein Wunder, dass sich mein Freund darauf nicht sonderlich gefreut hat. Ich war sehr vorfreudig, denn ich nahm an, dass den Männern allumfassendes Wissen vermittelt und uns Frauen alle Fragen beantwortet würden. Die Hebamme, die den Kurs leitete ist mit 16 Jahren Berufserfahrung eigentlich sehr erfahren, denke ich, jedoch für unseren Geschmack wirkte etwas unsicher.
Insgesamt waren wir neun schwangere Frauen und acht Männer. Eine Frau brachte erst am zweiten Tag eine Begleitung mit. Alle saßen auf Matten auf dem Boden mit Kissen und Stillkissen ausreichend versorgt. Frischer Lemongrasstee erfüllte den kleinen Kursraum mit einem angenehmen Duft. Zwei Tage á sieben Stunden lang sollte uns nun alles über die Geburt und die erste Zeit danach erklärt werden.
Was mir bereits zu Beginn auffiel war, dass ich mit 29 Jahren die jüngste Teilnehmerin war. Außer einer Frau, waren alle Mitte bis Ende dreißig und schwanger mit ihrem ersten Kind. In Berlin ist das ja nichts ungewöhnliches, aber ich dachte, dass diese Frauen, dann entspannter weil weiser wären, aber genau das Gegenteil war der Fall. Sie wirkten alle, die ganzen zwei Tage lang nervös, ängstlich, gestresst und überbesorgt. Ich malte mir zwischendurch aus, wie sie wohl mit ihren Kindern dann umgehen würden und dass sie wieder ängstliche, besorgte Menschen heranziehen würden, wovon wir doch schon so viele haben. Die Hebamme unterstützte sie alle in ihren Ängsten vor möglichen Komplikationen, Risiken und dem allumfassenden Versagen als Mütter.
Bereits in den Wochen zuvor ist mir aufgefallen wie dogmatisch und ideologisch die Mutterschar ist, vor allen in Foren und auf Blogs, die sich gegenseitig das Leben schwer macht. Ängste werden geschürt, Erwartungen höher und höher geschraubt „die perfekte Mutter“ zu werden oder zu sein, und damit unter der Last, die niemand bewältigen kann, zu ersticken. Natürlich sind einige Ideen erziehungstechnisch und auch sonst gar nicht schlecht und interessant, aber leider liest man aus vielen Einträgen ein allumgreifendes Weltbild heraus, in dem dann alle Bereiche abgedeckt werden müssen. Also es reicht nicht, sein Kind gern tragen zu wollen, es muss dann auch langzeitgestillt werden, windelfrei aufwachsen, so lange als möglich im Bett mit schlafen, niemals geimpft, in keine Schule gesteckt, mit Klamotten aus Wolle eingekleidet und natürlich nur zum Heilpraktiker geschickt werden. Versteht mich nicht falsch mit einigen Aspekten fühle ich mich auch sehr wohl, mit anderen gar nicht. Was mich aber stört und auch bei dem Kurs gestört hat, war dieser Zwang in eine Richtung gehen zu müssen. Die viel gepriesene Individualität wird nur vorgegaukelt und  darf nicht gelebt werden.  Eigentlich bewegen sich viele von einem alten Dogma in ein neues, ohne es zu merken und halten sich für revolutionär. Im Kurs ging es dann viel um Akupunktur, Yogakurse, Beckenbodenübungen, Stilltipps, Globuli und die natürliche Geburt. Ich möchte mein Kind auch sehr sehr gern daheim bekommen, womit ich übrigens die Einzige war. Drei Frauen bekommen es im Geburtshaus, was eigentlich auch nichts anderes ist, finde ich, und die anderen fünf bekommen es aus „Sicherheitsgründen“ im Krankenhaus. Nun kenne ich weder deren Krankengeschichte, noch weiß ich, ob sie in irgendeiner Form Risikopatientinnen sind. Aber jeder sollte es genauso machen, wie er es möchte.
Was für mich in diesem Kurs und auch auf den Blogs fehlt, ist die eigene Intuition. Liebe Frauen, hört auf euren Bauch! Im wahrsten Sinne und doppelten Sinne. Ich denke das Kind in euch, hat eh seinen eigenen Kopf, was es braucht, wann es kommen will usw. Macht all das wonach euch ist. Geht schwimmen und zum Sport, wenn euch danach ist, aber fangt nicht zwingend Yoga oder Akupunktur an, nur weil alle anderen es sagen, wenn ihr das eh immer seltsam fandet.
Wen es interessiert, klar, aber warum sollte man ein neuer Mensch werden, ein anderer, nur weil man schwanger ist? Weniger auf den Kopf hören und mehr auf den Bauch und das Herz. Da ist meine Devise und Mantra, was ich auch noch immer zu oft vergesse. Das Kleine im Bauch macht es ja auch so und es hat sich bisher gut entwickelt mit dieser Einstellung. Und ich denke, es wird auch unser Leben nach seinen Bedürfnissen formen, und bringt alle Planungen  durcheinander. Nur weil ich ihn gerne Tragen würde, heißt das nicht, dass er das auch toll findet. Vielleicht mag er lieber im Kinderwagen durch die Welt gefahren werden. Auch mag ich die Idee, dass er ganz nah bei uns im Bett mitschläft, aber vielleicht mag er das nicht und möchte lieber ausreichend Platz in seinem eigenen Bett haben. Und da ich so wenig wie möglich Zwang ausüben möchte und lieber gutes Vorbild als strenge Mutter sein möchte, wäre ja genau das das Falsche denke ich. Nur weil ich eine Vorstellung und Erwartung habe, heißt es noch lange nicht, dass es auch so eintrifft.
Das war noch ein weiterer Punkt, was mich stark überrascht und erschreckt hat, dass so viele Damen in dem Kurs so kleine Kontrollfreaks mit Listen über Listen sind. Listen für Anschaffungen, Listen für mögliche Zwischenfälle, was sie dann wollen und auch nicht, Listen für die erlaubten Medikamente im Krankenhaus, Listen für die Musik während der Geburt, Listen für die Anzahl der Besucher pro Tag, Listen fürs Wochenbett, welche Lebensmittel im Haus sein sollen usw. Ich übertreibe nicht.
Im Laufe des Sonntags sollten wir dann noch unter uns Frauen aufschreiben, was wir uns von unseren Partnern wünschen und die Männer sollten ihre Gedanken und Fragen notieren. Was für mich aus allen Gedanken ans Tageslicht trat war eine übermäßige Angst, dass die Herren dem Ganzen nicht gewachsen seien. Die Frauen machten sich auch hier wieder massive Sorgen, dass ihre Männer überfordert, angeekelt, zu schwach oder einfach nur unzureichend vorbereitet seien. Ich bin immer noch erschüttert, dass das der einheitliche Tenor von fast allen Frauen war. War das wirklich echt oder nur wieder das Bedienen von Klischees? Wenn ich meinem Partner nicht zutraue, die Geburt mit mir zusammen durchzustehen, wie soll das dann mit dem gemeinsamen Kind in Zukunft werden? Ich bin da sehr zuversichtlich. Mein Freund vermittelt mir absolut das Gefühl, dass er mich an meine Stärke erinnert, wenn ich sie mal vergessen sollte und auch mich beruhigen kann, wenn ich kurz vor dem Durchdrehen bin und ja einfach da ist, wenn ich ihn brauche. So sollte das doch sein, oder nicht?
Um hier nicht nur zu meckern. Wir haben auch einige nützliche Tipps erhalten. Ich wusste vorher nicht, wie die Wehen sich ankündigen und wie sich die Frequenz verstärkt, welche Geburtspositionen es geben kann und an welcher Stelle der Partner seine Frau massieren kann, um sie zu entspannen. Aber die ganzen anatomischen Erklärungen, waren sicherlich für die meisten Männer eher uninteressant, jedenfalls wenn man ihre Mimik deutet. Wir haben nicht gehechelt, dafür auf A, O und U „getönt“, damit wir spüren wie sich der Körper damit weitet. Er war gut als Erinnerung für mich, da meine letzten Yogastunden mit Mantrasingen und Gesangsstunden überhaupt schon einige Zeit zurückliegen. Alle weiteren Tipps und Tricks wurden leider etwas zurückhaltend formuliert, so nach dem Motto: Ich erkläre es euch, aber bei euch wird schon alles glatt laufen und eigentlich könnt ihr das gleich wieder vergessen. Wie bitte, warum? Du bist die kompetente Hebamme, die schon so viele Geburten gesehen und begleitet hat, für uns ist es alle das erste Mal. Wir haben Fragen und wünschen konkrete Antworten, sonst würden wir im Internet suchen, wenn nur vage Aussagen haben wollten.
Ich hoffe das lag nur an der Hebamme und nicht an der allgemeinen Art, wie heute Geburtsvorbereitungskurse gegeben werden. Auch den Verweis auf Heilpraktiker und Homöopathen, auf eine Spezielle, deren Name ca. 20 mal erwähnt wurde, im Zusammenhang mit Büchern, Präparaten und allem möglichen, fand ich so deplatziert, dass ich nicht umhin kam, sie gegen Ende des Kurses zu fragen, ob sie Provision bekäme pro Namensnennung. Danach sprach sie nur noch von der „gewissen Frau“. Leider erklärte sie viel über den Ablauf im Geburtshaus und im Krankenhaus, leider fast gar nichts über die Variante sein Kind daheim zu bekommen, aber gut. Da sie sicherlich keine Erfahrung darin hat, wären Mutmaßungen auch ein bisschen fehlplatziert.
Mein Fazit ist, liebe Schwangeren macht einen Kurs, aber wenn euer Partner nicht darum bettelt dabei zu sein, lasst ihn zuhause. Macht den Kurs im besten Fall dort, wo ihr auch gebären wollt, ob nun im Geburtshaus oder im Krankenhaus. Solltet ihr euer Kind wie ich, gern zuhause zur Welt bringen reicht ein ausführliches Gespräch mit eurer Hebamme, die weiß eh am besten Bescheid und kann alle Fragen spezifischer beantworten.
Ich bin schlussendlich sehr froh, meine tolle Hebamme gefunden zu haben, die mein Freund und ich, vor allem nach diesem Kurs als sehr kompetent, bodenständig und entspannt einschätzen. Sie weiß wie weit ihre Möglichkeiten gehen und sagt aber ganz klar, dass sie keine unnötigen Risiken eingeht, und wir im schlimmsten Falle auch verlegen müssen, was bedeutet, dass wir rechtzeitig und entspannt ins Krankenhaus fahren. Von irgendwelchen Horror-Stories, leider auch der anwesenden Teilnehmerinnen, hab ich langsam die Nase voll.
„Meine Freundin wollte ihr Kind auch gern zuhause bekommen, ganz gemütlich und schön und dann… war es ein furchtbarer Notkaiserschnitt. Alles war so schrecklich.“
Am ersten Tag hab ich mich noch nicht getraut, aber am zweiten Tag wiederholte sie es fast wortwörtlich nochmal. Ich konnte auch hier nicht an mich halten und fragte sie, was denn zwischen der Situation, schön zuhause mit Kerzen usw. und der Not-OP im Krankenhaus passiert sei? Hat die Hebamme gepennt, die Herztöne nicht gecheckt, oder wie ist es dazu gekommen? Zögerlich antwortete sie mir mit leicht abgewendetem Blick. „Meine Freundin wollte das Kind unbedingt zuhause bekommen und hat sich gegen die Hebamme gestellt und die Verlegung herausgezögert, bis es nicht mehr ging.“ Ich habe dann nur genickt. Denn ein „Ich wusste es doch“, wäre ein bisschen anmaßend gewesen. Die Storys der Leute sind immer so fantastisch und skurril, aber meist einfach von menschlichen Fehlern geprägt. Ich will nicht sagen, dass sie mir nicht passieren oder passieren werden, aber warum verheimlicht man die eigenen Fehler oder Fehleinschätzungen immer derart, dass die Geschichte eine dermaßen andere Intonation bekommt? Ich denke, weil man damit in unserer Gesellschaft Schwäche zugeben müsste, und die „zukünftigen Supermamas“ machen natürlich keine Fehler und ihre Freundinnen auch nicht.
Ich bin froh, das bereits gelernt zu haben, dass wir alle Fehler machen und es für mich ein Zeichen von Stärke ist, diese auch zu zugeben. Das Angst haben okay ist, sie dich aber nicht kontrollieren sollte. Und ich muss mich selbst immer wieder an die Inder erinnern, an das Gefühl, das ich aus Indien mitgebracht habe:
„Mach dir keine Sorgen über die Zukunft, über alle Möglichkeiten, was dir Schlechtes widerfahren kann. Du bist schlau und erfahren genug, in jeder eintreffenden Situation angemessen und richtig zu reagieren. Habe dieses Selbst-Vertrauen und alles wird gut!“

Mittwoch, 31. August 2016

Warum ich mein Kind zuhause bekommen möchte.



Während der Schwangerschaft muss man so viele Entscheidungen treffen. Müssen wir umziehen? Welchen Namen bekommt das Kind? Welche Schulen soll es mal besuchen? Welcher Erziehungsstil passt für mich? Und noch viele mehr. 
Ich habe schon einige allein und mit meinem Partner getroffen und eine weitere für mich wichtige Entscheidung ist es, mein Kind zu Hause zu bekommen. Ich mag Krankenhäuser nicht. Ich habe sie noch nie gemocht und die zweimal, dass ich sie in meinem Leben länger aufsuchen musste, gehören zu den schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. Für mich schwingt beim Thema Krankenhaus immer das Thema Tod mit. Ich habe immer Angst nicht wieder raus zukommen und das nicht erst seit den multiresistenten Bakterien. Es ist ein Gefühl. Manche Kinder fanden es lustig im Krankenhaus, wenn sie sich zum Beispiel ein Bein gebrochen hatten und es ihnen sonst gut ging. Ihre Freunde kamen und sie konnten den ganzen Tag fernsehen. So war es bei mir nicht. Und da für mich ein Krankenhaus immer schon eine negative Stimmung rüberbringt – was Krankenbesuche bei Familienangehörigen und Freunden auch nicht einfach gemacht haben – war meine erste intuitive Entscheidung was mein Kind betrifft, dass ich es nicht in einem Krankenhaus bekommen möchte. Schließlich bin ich nicht krank, sondern schwanger. Ich meine, Millionen von Frauen haben Jahrhunderte und Jahrtausende Millionen Kinder auf die Welt gebracht und tun es noch weiterhin. Nur in den westlichen Ländern, den Industriestaaten, haben wir uns so in den 50 Jahren überlegt, das selbstverständlichste Thema der Menschheit, Kinder bekommen in einen sterilen und auch finanziell rentablen Raum zu verlegen, dem Krankenhaus. Ich möchte ja gar nicht bestreiten, dass das damals mit der enorm höheren Säuglingssterblichkeit einherging und dass sie durch die sauberen Räume und schnelle medizinische Versorgung radikal zurückging, jedoch befinden wir uns weder im Krieg noch in anderen hygienisch bedenklichen Umgebungen. Selbst unsere Wohnungen sind mittlerweile so sauber und fast „klinisch rein“ wie die Werbung immer verspricht, dass wir fast daheim operieren könnten.
Nach einigen Wochen meiner Schwangerschaft sprach ich auch mal mit meiner Mutter über das Thema. Es ist im Übrigen sehr interessant wie viel näher die Verbindung zwischen uns seitdem geworden ist. Sie erzählte mir zum ersten Mal von einem unfassbaren Erlebnis. Ich dachte bis dato, dass sie zwei Fehlgeburten hatte, ganz am Anfang der Schwangerschaften. Aber dem war nicht so. Einer dieser Schwangerschaften ging bis zum 7.Monat und war eine Frühgeburt, die aufgrund von fehlendem Equipment im Krankenhaus und falschen Medikamenten für das Kind tödlich endete. Ich bin davon überzeugt, und diverse Psychologen werden mir Recht geben, dass Traumata an die Kinder vererbt werden. Für mich erklärt, diese Erfahrung meiner Mutter vollkommen, warum ich mein Kind intuitiv nicht im Krankenhaus bekommen möchte. Ich bin ganz und gar kein leichtsinniger Mensch. Ganz im Gegenteil. Seit dem ich sechs bin, ist eine meiner größten Stärken Verantwortungsbewusstsein. Ich würde nie ein Risiko eingehen, das mein Leben und das meines Babys gefährden würde. Und genau aus diesem Grund bekomme ich es zu Hause. Meine Hebamme, die ich zum Glück sehr zeitig gefunden habe, führt auch Hausgeburten durch und dass mit über 30 Jahren Erfahrung. Ich denke auch, das ist ein Wink des Schicksals, dass ich sie so schnell gefunden habe, und dass sie zugesagt hat. Denn das ist in Berlin derzeit nicht so einfach. Wir haben beide besprochen, dass wir diese Hausgeburt nur durchführen, wenn alles sicher ist. Sollte ich während der Schwangerschaft zu hohen Blutdruck bekommen, verlegen wir es ins Krankenhaus. Sollte ich enorme Wassereinlagerungen bekommen, bekommen wir es auch nicht daheim. Sollten sich irgendwelche Blutwerte oder sonstige Werte verschlechtern oder auf irgendetwas Riskantes hinweisen, werden wir es nicht durchführen. Wir machen das nur, wenn bis kurz vor der Geburt alles super ist, ich mich gut fühle, kein ungutes Gefühl auftaucht und auch sonst nichts dagegen spricht.
Mein Partner ist zum Glück vollkommen bei mir und steht hinter meiner Entscheidung.
Ich bin, vielleicht leicht yogisch, esoterisch angehaucht, auch der Meinung, dass Bindung eines unsere Wichtigsten Themen ist, die uns Menschen umtreiben. Daher empfinde ich es als unfassbar entspannter mit jemanden mein Kind auf die Welt zu bringen, den ich kenne und vertraue. Die Hebamme nimmt auch alle Vorsorgeuntersuchungen vor, abgesehen vom Ultraschall und lernt mich so über die gesamten neun Monate kennen. Weiß über meine Ängste Bescheid und kennt den physischen und psychischen Verlauf der Schwangerschaft. Ich dachte nämlich ganz blauäugig, dass ich sonst mit meiner Frauenärztin ins Krankenhaus gehe und sie die Geburt mit mir durchsteht. Pustekuchen. Du kommst im Krankenhaus an, hoffentlich spontan mit klassischen Wehen und dann stehen irgendein fremder Arzt und fremde Krankenschwestern vor dir. Acht Stunden später wechselt das Personal und im schlimmsten Falle „übernehmen“ dich wiederrum andere fremde Menschen, die sich mit dir den intimsten Moment deines Lebens teilen, den sie für ihren Teil zehnmal am Tag vollführen. Klar sind sie routiniert, aber oft auch übermüdet, gestresst, vielleicht auch unkonzentriert aber vor allem mechanisch. Ich möchte das für mich nicht. Ich möchte eine vertraute, entspannte Umgebung. Ich möchte meine Hebamme, meinen Partner und am liebsten meine Mutter dabei haben, da sie mich immer wunderbar beruhigen kann. Um ehrlich zu sein, glaube ich an das Prinzip der Familie und Gemeinschaft. Nicht im kirchlichen Sinne, sondern im sozialen. Ich hätte gern die werdenden Großeltern dabei, meine Freundinnen, meine Schwester. Sie sollte alle in unserer großen Küche, sitzen und essen und das neue Familienmitglied in dem Moment willkommen heißen, sobald es auf die Erde kommt. Es wird ja nicht nur in unsere kleine Familie geboren, sondern in eine größere, mit Großeltern und Freunden und Geschwistern. Einige finden die Idee schön, andere widert es an, wie ich es in ihren Gesichtern gesehen habe. Sie wollen das Schreien und den unschönen, anstrengenden Teil der Geburt nicht miterleben. Sie wollen das Baby dann gewaschen, sauber und hübsch hergerichtet begutachten. Ich kann es verstehen und akzeptiere ihre Entscheidung. Ich freue mich sehr auf den Moment wenn es dann endlich in meinen Armen liegt, trotz ich einen immensen Respekt vor der Geburt an sich habe und hoffe, dass keine Komplikationen entstehen, so dass wir doch in ein Krankenhaus müssen.
Falls jemanden noch die Statistiken zum Thema Hausgeburt interessieren, sind diese sehr überraschend. Für mich war die einzige Angst, dass das Kind oder ich sterben könnten. Diese Angst habe ich nach der Durchsicht diverser Statistiken jedoch verloren. Denn die prozentuale Anzahl an Totgeburten liegt bei Hausgeburten bei 0,5%. In Kliniken finden dreimal mehr statt, 1,5%. Und wenn man dann nochmal umrechnet, dass nur ca. 10.000 Kinder in Deutschland zuhause geboren werden, ist die absolute Zahl von 50 Totgeburten im Vergleich zu 10.500 in den Kliniken auch deutlich geringer. 

Ich möchte kein Plädoyer abgeben und Überzeugungsarbeit leisten, denn jede Frau muss für sich selbst entscheiden unter welchen Umständen sie ihr Kind bekommen möchte. Sie muss sich wohlfühlen. Derzeit stehe ich 100%ig hinter meiner Entscheidung meiner Intuition zu vertrauen, denn sie hat mich noch nie im Stich gelassen.

Freitag, 19. August 2016

Lasst euch nicht irre machen, liebe Schwangeren und hört auf euer Bauchgefühl!




Ich bin nun in der 23. Woche. Also im sechsten Monat schwanger. Seit nun fünf Monaten weiß ich mittlerweile, dass ich schwanger bin und habe mir über so vieles schon Gedanken gemacht:
Was soll und darf man essen und was nicht? Ein leidiges, aufreibendes und letztendlich doch persönliches Thema. Für sehr vorsichtige besorgte Frauen, gibt es super Listen der Do’s und Don’ts, aber wenn man sich genauer beschäftigt, merkt man doch schnell, dass sie uns ziemlich stressen und vielleicht das auch wollen… (kleine Verschwörungstheorien).
Ich habe für mich entschieden, keine rohen Eier zu essen, keinen rohen Fisch und kein rohes Fleisch. Diese so gefährlichen Rohmilchkäse zubekommen, sind in einer Metropole wie Berlin, wo wir nur von industriellen Supermärkten abhängig sind, sehr schwierig. Mein kleiner Bio-Laden um die Ecke hat einige Rohmilchkäse im Sortiment. Aber im Supermarkt ist fast jeder Käse und ich meine fast jeder Käse, also ca. 80-90% kein Rohmilchkäse. Das muss nämlich laut EU-Verordnung drauf stehen. Und ganz sicher kann man sich sein, bei Käse, der mit „pasteurisiert“ gekennzeichnet ist, was ca. mind. 60-70% der Käsesorten sind. Alle industriell hergestellten Käsesorten sind es zu mindestens, da sie sonst gar nicht so lange haltbar wären, wie wir das sonst so gewohnt sind. Ergo, alles was wir bei den großen Ketten so bekommen bietet eine riesige Auswahl an „essbaren“ Käse auch für Schwangere, denn vieles ist erhitzt, pasteurisiert oder homogenisiert. Das hat unsere Milchindustrie gut vorbereitet. Somit können wir Schwangere auch Feta, Ziegenkäse oder anderen Käse essen, da auf den Verpackungen fettgedruckt „pasteurisiert“ steht.
Liebe Ernährungsratgeber für Schwangere, was ist nun mit eurer Panikmache? Und meine überaus entspannte Hebamme hat mich gefragt: „ Lydia, ganz ehrlich, wenn da wirklich so viel Ernsthaftigkeit und Risiko drinne stecken würde, dann würden sämtliche Frauen in den südeuropäischen ländlichen Gebieten, keine Kinder mehr auf die Welt bringen. Weil sich sicherlich nicht auf den einheimischen und selbstgemachten Käse, die Wurst und anderen verzichten oder?“ Ist das in den kleinen französischen Dörfern und spanischen Bergregionen schon angekommen, dass Rohmilchkäse und Serranoschinken gefährlich ist? 

Meine Mutter hat mir letztens auch gestanden, während der Schwangerschaft massenweiße Harzer Käse (Rohmilchkäse aus Sauermilch) gegessen zu haben, und ich darf mit Sicherheit behaupten, dass ich gesund und munter bin. Vielen Frauen geht es so, die sich nicht wuschig machen lassen haben, und denen es gut geht. Klar wenn man erst mal anfängt über Listerien und andere mögliche Bakterien nachzulesen, wird man irgendwann irre. Ich bin ganz zu Beginn über die Suche nach DIY Anleitungen auf Pinterest zu lustigen Tabellen, Grafiken und anderen Mist über Schwangerschaften gekommen, wo genauestens festgehalten wurde, welche körperlichen Beschwerden sich in welcher Woche einstellen oder verstärken. Wer macht denn so was? Frage ich mich mittlerweile. Ich dachte wirklich am Anfang, schwanger sein bedeutet krank sein. Und umso mehr ich mich von diesem Gedanken löse, desto mehr verstehe ich das gesamte System, die Industrie und die Wirtschaftskraft hinter dieser Einstellung. Es ist ein schierer Wahnsinn.

Du wirst entmündigt. Oder was ich noch viel passender finde infantilisiert. Das bedeutet, dir wird als erwachsene Frau jede Entscheidungsfähigkeit abgesprochen, denn du bist ja ach so mit Hormonen vollgepumpt. Du bist launisch und sprunghaft, überdreht oder zu müde, und vor allem, wenn es deine erste Schwangerschaft ist, hast du von nix eine Ahnung und wir verkaufen dir alles was du brauchst (was wir denken, dass du es brauchst). Klar gibt es großartige Hilfsmittel, die jeder Frau empfohlen werden sollten, aber lustigerweise sind diese gar nicht so teuer!

Meine Tipps für jede Schwangere:

·         Vitamintabletten für Schwangere z.B. von dm – 3€ für zwei Monate
Dort ist alles drin was du brauchst. Ernährt man sich dazu auch noch gesund, ist dass das Beste was dem Kind passieren kann.

·         Ein Schwangerengurt oder Bandage
Solltest du noch einen sehr aktiven Job haben, wird es spätestens ab dem 4. Monat immer anstrengender längere Strecken zu laufen, denn die Bauchmuskeln verschieben sich zur Seite und können den größer werdenden Bauch nicht mehr so gut stützen. Und wenn du dann die noch übrigen Bänder dauernd zu stark belastet, sind das enorme Schmerzen (ich spreche aus Erfahrung). Einen Schwangerengurt hilft den Rücken zu stützen und den Bauch etwas anzuheben, ein geniales Gefühl. Du bekommst ihn auf Rezept (meist vollkommen zuzahlungsfrei) von deiner Frauenärztin. Wert dieses Goldstückes 80-120€.

·         Umgib dich mit positiven Menschen
Dieser Tipp gilt ja eigentlich für das gesamte Leben, aber in dieser Zeit besonders. Was bringen dir ängstliche, gemeine und destruktive Menschen in deiner Umgebung? Sie setzen dir nur Flausen in den Kopf und machen dich nervös und ängstlich. Das brauchst du ganz und gar nicht.

·         Viel Ruhe und Entspannung
Umso länger die Schwangerschaft andauert, spüre ich wie wichtig Regeneration ist. Viel Ruhe, um sich auf die bevorstehende Veränderung vorzubereiten, sich einfach hinzulegen und das Baby in sich zu spüren ist die coolste Meditation, die ich je ausprobiert habe. Schließlich ist alles sehr kräftezehrend. In dir wächst ein neuer Mensch, der braucht enorm viel Energie, deine Energie. Geh damit nicht zu leichtsinnig um. Nie wieder haben wir so eine tolle „Ausrede“ ständig ein Nickerchen zu machen, uns hinzulegen und einfach gar nichts zu tun. Alle sind so wahnsinnig verständnisvoll.  Ich glaube, dass sollte ich beibehalten.

·         Trotzdem aktiv sein
Etwas Sport wie Yoga, Radfahren, Schwimmen oder andere leichte Sportarten sind großartig um sich in Form zu halten und die Extraportion Sauerstoff tut dem kleinen Menschen in dir auch super. Wie viel noch möglich ist, muss jeder selbst testen. Wenn du sonst täglich joggen gehst, geht leichtes joggen auch. Für mich, als sporadische Joggerin, ist leider nicht mehr möglich. Mein Beckenboden und auch meine Puste machen da einfach nicht mit. Schau immer, dass du dich nicht überanstrengst, dass bringt weder dir noch dem Baby was.

·         Mach schöne Dinge.
Bei mir beginnt jetzt massiv die sogenannte „Nestbauphase“. Das heißt ich möchte nur noch süße Kleidung stricken oder nähen, alles vorbereiten, was ich für das Baby machen möchte, wie eine Wiege und ein Bett bauen, kleine Stofftiere basteln oder die Wohnung renovieren.
Es fühlt sich großartig an, etwas Schönes für sich und das Kleine zu tun und sei  es nur einen tollen Kinderwagen zu bestellen. Nur stress dich nicht dabei.

·         Last but not least: die Klassiker
o   Keine Zigaretten
o   Kein Alkohol
o   Keine Drogen

Ich glaube, dass man das fast gar nicht erwähnen muss, aber der Vollständigkeit halber, füge ich es noch mit an. Welche Auswirkungen große Mengen von Alkohol auf Kinder ausüben, ist bereits reichlich erforscht. Kindern von starken Rauchern geht es ebenso, nur die Studien fehlen oft. Von den klassischen Gehirnschäden, über Konzentrationsschwäche, körperliche Eingeschränktheit oder auch emotional/sozialen Nachteilen wollen wir wohl keines für den kleinen Menschen, den wir gerade schaffen. Außerdem vertragen wir Alkohol und Nikotin und sonstiges wesentlich schlechter in der Schwangerschaft und wer will neben der Morgenübelkeit noch weitere unangenehme Begleiterscheinungen?

Klar gibt es noch diese „Ausnahmen“ wo die Meinungen auseinander gehen. Manche Ärzte raten Kettenraucherinnen oder Alkoholikerinnen, langsam ihre Ration zurückzufahren, damit das Kind nicht schon einen Entzug im Mutterleib erleidet. Um es stressfreier zu gestalten, reduziere den Konsum der „Genussmittel“ bereits, wenn du dich mit dem Gedanken trägst schwanger zu werden.

Eine meiner engsten Freundinnen, gab mir am allerersten Tag, als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, einen unfassbar wichtigen Tipp. Sie sagte:

 Lydia, du hast jetzt die Chance deinem Kind all das mitzugeben, was du möchtest. Du befindest dich in einer Phase in eurem gemeinsamen Leben, in der du so viel Einfluss auf dein Kind nehmen kannst, wie du es nie wieder kannst. Alles was du tust, positiv oder negativ, wird das Kind aufnehmen, speichern und sein restlichen Leben mit sich führen. Du legst jetzt die Basis für sein späteres Leben.“   
 
An dem damaligen Tag war mir die Auswirkung nicht vollkommen klar, aber mittlerweile weiß ich was das bedeutet. Ich möchte mein Kind weder Stress noch unzureichende Vitamine und Mineralstoffe zuführen, so dass es mit irgendeinem Schaden auf diese Welt kommt. Ich möchte alles tun, was ich tun kann, damit es ihm bestens geht. Und das wichtigste was ich dafür tun kann, ist entspannt zu bleiben und mich nicht von der Gesellschaft, Normen oder seltsam anmutenden Menschen verrückt machen zu lassen. Ich höre auf mein Bauchgefühl, meine Intuition. Immerhin ruht, und strampelt mittlerweile, dort der kleine Mensch, für den ich das alles tue. Und er weiß erstaunlich gut, was für ihn das Beste ist!

Freitag, 8. Juli 2016

Was uns verbindet...



Immer wieder lese ich Sätze, die in mir einen Orkan an Gedanken auslösen, ein Feuer, eine Erkenntnisexplosion. Und genau so einen Satz habe ich gerade aus dem Buch „Etwas mehr Hirn bitte.“ von Gerald Hüther vor mir. Du liest und liest und dann liest du einen Satz, der alle Wahrheit in sich zu vereinen scheint. Einen Satz, den du noch dreimal liest und dir denkst: „Klar, warum bin ich nicht schon früher drauf gekommen?“
Warum? Weil die Zeit noch nicht reif war, oder noch andere Erfahrungen und Ideen gefehlt haben, an die ich anknüpfen konnte, so formuliert es Hüther. Wir können nur Sichtweisen oder Ideen verinnerlichen, die zu unseren Bestehenden passen. Erzählt uns jemand etwas, das so fernab von unserem Wissens- oder Erfahrungsschatz ist, tun wir es als Unsinn ab und verwerfen es im nächsten Moment. Klingt logisch. Und meist passiert es dann dass ich von einen auf einen anderen Gedanke komme und mich in einem leicht abgewandelten Thema verliere…

Aber nun der eigentliche Satz, um den es mir geht:

„(der Mensch konzentriert sich ausschließlich darauf)...was ein einzelnes Lebewesen oder eine einzelne Art ausmacht, wodurch sie sich von den anderen Lebewesen und anderen Arten unterscheidet und was sie voneinander trennt, haben wir bisher weitgehend übersehen, was alle Lebensformen miteinander verbindet.“
Genau. Es stimmt. Ob wir nun Tiere, Pflanzen oder Sternbilder betrachten, wir orientieren uns an den Merkmalen, die sie unterscheiden, um sie zu benennen. Und dieses Denken breitet sich aus, auf alle anderen Bereiche unseres Lebens. Wir klassifizieren Menschen nach Einkommen, Herkunft, Aussehen oder sexueller Orientierung und ordnen ihnen entsprechend unsere Bildung und Weltanschauung Eigenschaften zu wie: gut, dumm, hässlich, interessant, anders, armselig oder gar minderwertig. Wir packen sie in Schubladen wie einen Vogel, den wir anhand von Gefiederfarbe, Schnabelform und Größe bestimmen. Es hilft uns, uns zu Recht zu finden. Denken wir. Aber hin und wieder schaffen wir es, so viele Abgrenzungen zu schaffen, zu uns und zwischen den Menschen, dass wir uns selbst total ab- oder gar ausgrenzt fühlen. Wir haben verlernt, das Gemeinsame zu sehen. Was passiert ist, dass wir uns zurückziehen, Egoisten werden und unsere Empathie ausstellen. Da wir tatsächlich der Meinung sind, der andere neben uns, im Bus oder dort in den Nachrichten, der gerade den Bombenanschlag überlebt hat, hat nichts, aber rein gar nichts mit uns zu tun. 

Vor einiger Zeit riet mir ein Freund, dass ich mir nicht immer so viele Gedanken über andere machen soll. Ich solle mir nicht die Probleme anderer zu Eigen machen. Er hat zu einem gewissen Grad Recht, dass man es auch übertreiben sollte, aber wenn es deinen engsten Freunden schlecht geht, finde ich es eher seltsam wenn man nicht mitfühlend ist.  Und dass man beim Anblick von weinenden Menschen nichts empfindet, finde ich sehr bedenklich. Was ist denn nur passiert? Verrohung durch die Medien? Überpräsenz von Gewalt und Terror? Einfach zu viel davon? Natürlich sollte uns nicht jedes Drama in eine Sinnkrise stürzen, sonst wären wir letztendlich lebensunfähig, aber Mitgefühl zu zeigen oder auch nur zu empfinden, finde ich nicht als Verschwendung von Lebenszeit. 

Das Gefühl und auch der Gedanke mit allen Lebewesen verbunden zu sein, fühlt sich großartig an. Und ich denke, es ist nicht nur ein Privileg, ein Geschenk, sondern auch ein Stück weit Verantwortung. Seit dem ich schwanger bin und auch immer stärker spüre, dass sich in mir etwas Lebendiges befindet, macht diesen Gedanken so natürlich, selbstverständlich und logisch, dass es irre ist, ihn jetzt noch zu bestreiten. Die Hälfte der Menschheit, nun gut, fast die Hälfte, da nicht alle Mütter sind, kennen dieses Gefühl. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass die Verbindung zu dir selbst, und in deinen eigenen Körper, die ist die du spürst, aber hat nicht jede schwangere Frau irgendwann im Laufe ihrer Schwangerschaft das Gefühl erlebt, dass Leben in ihr wächst. Dass sie etwas Neues auf die Welt bringt und dass das nur geschieht ist, weil sich zwei Menschen vereint haben (im Idealfall durch Liebe)? Menschen, die sich vielleicht fünf Jahre zuvor nicht mal kannten und nun ein gemeinsames Leben beginnen und ein neues Leben auf diese Welt bringen. Ich für meinen Teil finde es unglaublich erhebend, dass meinem Gefühlsportfolio weitere hinzugefügt wurden, durch diese Veränderung. Das Gefühl, noch mehr in meinem Körper zu sein und eine Verbindung zu dem ungeborenen Kind und dadurch zum Leben an sich, zu allen Lebewesen, in gewisser Weise erhalten zu haben. Jede Frau und jedes weibliche Tier er“lebt“, dieses Wunder. Sie erleben Leben. Wie könnte man stärker in einem Moment sein, in der Gegenwart, wie es uns doch von allen spirituellen Gurus empfohlen wird, als dieses Gefühl wahrzunehmen? Ich sage nicht, dass jede Frau schwanger sein muss, um dieses Gefühl zu erleben, aber vielleicht sollten alle, die bereits schwanger waren oder sind und auf der Suche nach diesem Gefühl „im Moment präsent zu sein“ sind, sich einfach auf dieses Gefühl zurückbesinnen. Das ist es. Das ist Leben. Jetzt genau in diesem Moment, lebe ich. In mir lebt etwas. Es wächst täglich heran und ich spüre wie es mit mir und ich mit ihm in Verbindung stehen. Ich nähre es und es lehrt mich, was ich brauche, ob nun bestimmte Nahrung oder Bewegung oder Ruhe. Ich kann nicht über diese Bedürfnisse hinweggehen, denn es sind nicht nur meine. Es sind auch die eines anderen, neuen Lebewesens. Und wer bin ich, dass ich über diese Bedürfnisse hinwegschauen könnte, wenn es diese doch so ausdrücklich braucht? Und wie könnte ich dann ferner nicht Mitgefühl und das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen, Tieren und auch Pflanzen haben? 

Doch in wie fern geht das Mitgefühl mit Verständnis einher?

Es fällt mir doch immer noch schwer, für alles, was Menschen tun Verständnis zu haben. Ob sie nun Kriege beginnen oder in meinem näheren Umfeld rücksichtlos und egoistisch durch ihr Leben stapfen. Vielleicht geht das auch gar nicht. Aber ich möchte, für mich einen Weg finden, dass ich mich nicht ständig darüber aufrege, und auch hier die Gemeinsamkeiten suche, und ein Stückweit meinen inneren Frieden mit ihnen schließe. So dass ich nicht immer denken muss, dass sie und mich doch so viel trennt, und wir auf verschiedenen Wellen zu schwimmen scheinen, und dass sie doch bitte ihr negatives und destruktives Verhalten bemerken sollen. Aber Groll bringt letztendlich nur mir Bauchschmerzen, nicht ihnen. 

Natürlich ist dieses „Mutter sein und werden“, nur ein Aspekt, des breiten Spektrums, das gemeint ist, wenn wir von den Verbindungen zwischen allen Lebewesen sprechen. Aber ich mag Bilder und Vergleiche, und für mich ist genau dieses Bild: „Die schwangere Frau erlebt durch die Verbindung zu ihrem Kind, die allumfassende Verbindung zum Leben an sich“, ein sehr schönes und einleuchtendes, vielleicht ja auch noch für den einen oder anderen.