Es ist nun zwölf Tage her, dass etwas geschah, was mein Leben
total veränderte. Obwohl ich viel schreibe, vor allem in schwierigen und
aufwühlenden Situationen, bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, mich dazu zu
äußern. Vielleicht, weil es diesmal wirklich wichtig ist, keine
überdramatisierte Situation, kein Reinsteigern oder Überbewertung des Geistes.
Vielleicht weil es so normal ist, wie der Tod, der zum Leben dazugehört oder
den ständigen Wechsel der Jahreszeiten, den wir ja auch ganz selbstverständlich
akzeptieren oder auch die Tatsache, dass auf Regen irgendwann wieder Sonne
folgt, ganz selbstverständlich.
Am Freitag, vor zwölf Tagen war meine Periode sieben Tage
überfällig. Begleitet von täglichen Unterleibsschmerzen, kaufte ich am Tag
zuvor einen Schwangerschaftstest, eigentlich nur um auszuschließen, dass ich
schwanger war. Aber dieser Test hatte eine andere Aussage für mich parat. Zwei
Striche auf dem Test, superschnell erschienen, die mir sagten, dass ich
schwanger bin. Mein Freund, mit dem ich nun über ein Jahr zusammen bin,
übernachtete bei mir. 6 Uhr früh machte ich ihn wach. „Der Test ist positiv“,
sagte ich ihm. – Pause - „Das kann aber heißen, dass ich eine
Eileiterschwangerschaft oder eine Zyste am Eierstock oder so hab.“ Ich ging
immer noch davon aus, dass ich in irgendeiner Form krank wär. Er war vollkommen
gelassen, wie so oft, vielleicht auch nur unter Schock. „Dann ist das so. Wir
schaffen das schon.“ Wir fuhren um 8 Uhr früh direkt zu einem Frauenarzt und
auch dort bestätigte die gutgelaunte Frauenärztin inklusive Schwester, dass ich
schwanger bin. „Vielleicht sieht man noch gar nichts, weil es ja noch so
unglaublich früh ist,“ nuschelte sie während sie mit dem Ultraschallgerät
meinen Unterleib untersuchte. Dann schrie sie auf, „Doch sehen sie, alles
super. Es ist schon in der Gebärmutter, dort, sehen sie? Alles super, so wie es
sein muss.“ – Keine Pause – „Das nächste Mal machen wir dann diverse Tests und
dann bekommen sie ihren Mutterpass. Hier schon mal ein paar Jodpräparate, die
sie ab jetzt nehmen müssen. Die reichen für drei Wochen, danach können sie auch
andere kaufen, DM oder Rossmann haben auch tolle, die sind nicht so teuer wie
diese hier….“
Momentmal, wie bitte? Ich bin schwanger? So richtig? Da wird ein
Baby, ein Mensch draus? Darauf war ich nicht vorbereitet. Jetzt noch nicht. Ich
wollte doch alles perfekt planen, den richtigen Moment abwarten. Aber die
Natur, das Schicksal oder eben meine Unvorsichtigkeit hatte sich das anders
überlegt. Ja ich hatte vor zwei Monaten erst die Pille, die ich nun fast 14
Jahre genommen hatte, abgesetzt, weil mir die ganzen Hormone langsam zu
unheimlich wurden. Mit der anderweitigen Verhütung hatte ich mich eher an Knaus-Ogino
gehalten, an fruchtbaren Tagen verhüten und an den anderen nicht… naja das das
also nicht klappt, wissen wir nun.
Wie heißt es so schön: das Kind war nun in den Brunnen gefallen. Ja. Es war so surreal.
Das erste was ich tat, nach dem ich meinem Freund aus der Praxis gelotst hatte und
ihm in die Arme gefallen war? Meine Mutter anrufen. Er rief seine Eltern an.
Unwirklich ist das Wort, das ich an diesem Tag wohl an die 50mal verwendete. Ich
rief meine engsten Freunde, meine Schwester an und erzählte es. Um es zu
glauben, real werden zu lassen. Von Schock über leichte bis heftige Freudetränen
war alles dabei. Ich verfiel im Laufe des Tages immer wieder in hysterische
Lachanfälle, weil es alle paar Minuten in mein Bewusstsein aufplobbte, wie ein
Pop-Up-Fenster. „Du bist schwanger.“ - „In
dir wächst jetzt ein Kind.“
Ich würde mich schon als bewusst lebenden Menschen
beschreiben, der auf seinen Körper hört, Veränderungen merkt. Und ja da hatte
ich etwas, ca. 4 Wochen zuvor, wirklich gespürt. Bluthochdruck oder etwas in
der Art, plötzliche Lust alles salziger zu essen, was ich sonst nicht mag. Ca.
drei Wochen vor der Gewissheit, sagte ich irgendwann auf Arbeit mal flax, dass
ich – wenn ich es nicht besser wüsste – mich wie schwanger fühlte. Tadaa!!!
Und nun? Langsam ist es angekommen und der anfänglichen Unsicherheit,
Panik und Angst ist dank meiner Mum, und meiner pragmatischen Art,
Zuversichtlichkeit gewichen. Wenn du erst einmal anfängst, dir über verbotene
Lebensmittel, mögliche Schmerzen, Komplikationen und Risiken einen Überblick zu
verschaffen, kann man nur hysterisch werden. Deshalb halte ich es auch hier wie
sonst mit Dr. Google. Nicht im Internet nachlesen, was alles kommen kann,
sondern auf meine Intuition, meine Ärztin und meinen gesunden Menschenverstand
hören, und auf Frauen, die auch bereits Mütter sind. Klar war es vor 30 Jahren
anders, ein Kind zubekommen als heute. Meine Mutter lacht sich ständig
scheckig, wenn ich ihr von so tollen neuen Hilfsmitteln wie Schwangerschaftskissen
oder dergleichen erzähle. Wie hat sie uns nur so gesund und ohne bleibende
Schäden für sich ein Kind bekommen? Ohne Schwangerenyoga, Kissen und
Stützgürtel hier und da? Ganz einfach so! Denn es ist letztendlich das natürlichste
auf der Welt Kinder zu bekommen, wir vergessen es nur immer wieder. Zum Glück
obliegt uns hier in der westlichen Welt, die Entscheidung, ob Kinder ein Teil
unseres Lebens werden sollen oder nicht. An anderen Orten passiert es einfach
aus Routine, mehrfach, millionenfach.
Ich habe es immer als einen Teil meines
Lebens gesehen Kinder zu bekommen, wenn ein Mann in meinem Leben ist, den ich mir als Vater
vorstellen kann. Der intelligent und liebevoll ist, handwerklich begabt (ja das
ist mir wichtig, weil es zusammen so viel Spaß macht Möbel und Nützliches zu
bauen), fast die gleichen Werte hat wie ich, neugierig und mutig ist, und vor
allem auf den ich mich verlassen kann. Der zu mir und dem Kind steht, weil er
es sich auch wünscht. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich ihn mit Tom
gefunden habe. Ich muss auch zugeben, dass ich nach ca. 3 Monaten mit ihm
wusste, dass ich irgendwann irgendwie Kinder von ihm haben würde. Ich weiß
nicht wieso, aber ich hatte dieses sichere Gefühl, genau wie ich wusste, dass
ich meinen Ex irgendwann heiraten würde. Es ist auch passiert. Nenn es Vision,
Vorahnung oder einfach Intuition. Ich habe das ab und an. So fragen sie mich
nun auch alle, welches Geschlecht, das Kind hat. Am Anfang wusste ich es nicht.
Tom denkt, dass es ein Mädchen wird. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Ich
weiß, dass es eine wunderbare Seele sein wird. Das spüre ich. Ein Wesen, dass
mich noch mehr zu meinem wahren Ich bringen wird. Es wird Nahele sein.
Eigentlich ist es ein Name für einen Jungen, aber ich finde es passt für beide
Geschlechter. Ich hätte eher Lust Kleidchen zu nähen, aber Hauptsache unser
Kind wird gesund diese Welt erblicken. Mehr kann ich mir nicht wünschen, und
dafür kann ich die nächsten Monate sorgen. Viel Ruhe, gutes Essen und keinen
Stress. Und was das spannendste für mich bisher war? Meine Freunde und Familie
sind auf einmal so umsorgend. Sonst passt nie wirklich jemand auf mich auf. Ich
bin wohl eher die starke Frau, die alles alleine regeln kann. Aber jetzt nehmen
sie mich vorsichtig in den Arm wenn wir eine Straße überqueren.
Beschützerinstinkt wird da wohl wach. Alle nehmen Rücksicht und sind
verständnisvoll. Daran könnte ich mich gewöhnen…