Ich finde es unfassbar, wie negativ die Menschen sind. Ich
bin schwanger in der 9. Woche. Ja es ist früh, aber jetzt gerade ist es so. Die
Hälfte der Menschen, denen ich es bisher erzählt habe, dazu gehört meine
Familie und enge Freunde freuen sich sehr für uns. Umso mehr der Beziehungsradius
sich weitet, desto vorsichtiger, teilweise bösartig sind die Reaktionen.
„Wie kannst du das jetzt so sagen, warte erst mal die 12.
Woche ab, danach gratuliere ich dir.“ – „Es ist schon so vielen passiert, dass
sie es bis zur 12.Woche verloren haben. Sei vorsichtig mit dem was du sagst.“
Ernsthaft? Seid ihr alle abergläubisch, ängstlich oder
einfach nur unsensibel? Sobald ich es ausspreche: „Ich bin schwanger“, erfüllt
sich eine böse Prophezeiung? Und selbst wenn, dann ist das so. Kinder wurden
auch schon nach der 12. Woche verloren, tot geboren usw. Aber muss ich das
alles hören? Oder sollte man um Umkehrschluss niemanden von dem Kind in mir
erzählen, bis es es erfolgreich auf die Welt geschafft hat? Und selbst dann ist
nichts sicher… Oh man, ich fasse es einfach nicht. Es kann immer etwas Schlimmes
passieren. Jedem, jeden Tag. Aber deshalb verstecken wir uns auch nicht alle in
unsere Wohnung und gehen nicht vor die Tür.
Und wenn man dann den „besorgten“ Menschen das Argument
entgegenbringt, dass ja auch später – nach der 12. Woche – etwas passieren
könnte, wird man direkt von dem einen tragischen Vorfall im näheren oder fernen
Freundeskreis, je nachdem wie es gerade passt, in Kenntnis gesetzt, wo die Mutter ihr Kind
kurz nach der Geburt, nach einem halben Jahr oder zwei Jahren verloren hat. Oh
mein Gott. Also sollte ich niemanden, gute Nachrichten erzählen, weil etwas Schlimmes
passieren könnte, und mein schönes Glück wäre dann jäh zerbrochen? Krankheit,
Tod oder noch tragischeres könnte uns heimsuchen! Dann brauchen wir eigentlich
auch keine Geburtstage mehr feiern, neue Jobs, weil wir sie ja irgendwann
verlieren könnten! Ich hasse diese Einstellung. Sie ist unsensibel und nur von
Angst geprägt. Niemand würde auf die Idee kommen einem ehemaligen
Krebspatienten, der nach allen möglichen Therapien von seinem Arzt als „geheilt“
bezeichnet wird, ins Gesicht zu sagen: „Freu dich lieber nicht zu früh, es kann
ja immer wieder zurück kommen.“ So pietätlos ist wohl fast niemand. Aber warum
erzählt man dann frühen Schwangeren, dass sie ihr Kind womöglich verlieren
können? Welche perfiden Gedankengänge stecken dahinter. Groll, Hass, Neid, oder
einfach ein mieser Charakter?
Ich kenne die Statistiken und auch die
Fehlgeburtsraten. Ja die Wahrscheinlichkeit ist in den ersten drei Monaten am
höchsten eine Fehlgeburt zu erleiden, aber muss man das jeder einzelnen Frau
auf die Nase binden, so dass sie sich wie das sprichwörtliche rohe Ei verhält?
Natürlich ist Vorsicht und Achtsamkeit angebracht, vor allem jetzt, wie
eigentlich immer, aber Destruktivität braucht kein Mensch!
Bitte liebe Freunde, lasst uns den Moment feiern und diese
unnützen Sorgen mal vergessen. Sie zerstören jeden tollen Augenblick, machen
nur krank und depressiv. Ich lebe jetzt
und ich bin jetzt schwanger. Und
deshalb erzähle ich es jedem, dem ich es sagen möchte.
Vielleicht ist es auch eine gute Methode, die Leute in
meiner Umgebung abzuchecken. Solche negativen, missmutigen Menschen, die so
ängstlich und destruktiv durchs Leben gehen, möchte ich nicht in der Umgebung
meines Kindes wissen. Ich will Hoffnung, Freude, Liebe und Zuversicht. Aber vor
allem Mut zum Leben Ja zu sagen!
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